Eine Funkverbindung ist immer nur so gut wie ihr schwächster Moment. Genau hier setzt Dual Band an: Statt sich auf ein einziges Frequenzband zu verlassen, arbeitet die Anlage gleichzeitig auf 2,4 GHz und im Sub-GHz-Bereich (in Europa 868 MHz). Fällt ein Band durch Störungen oder Abschattung aus, trägt das andere die Verbindung weiter. Dieser Ratgeber erklärt die Technik, ordnet die RadioMaster-Modelle aus unserem Sortiment ein und zeigt, welche Kombination aus Sender und Empfänger für welchen Einsatz sinnvoll ist.
Warum zwei Frequenzbänder?
Beide Bänder haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften – und die ergänzen sich fast ideal.
2,4 GHz
- Hohe Paketraten und sehr geringe Latenz, ideal für Racing und Freestyle
- Kompakte Antennen, dadurch leichte und kleine Empfänger
- Nachteil: stark belegtes Band durch WLAN, Bluetooth, Videosysteme und andere Piloten
- Nachteil: kürzere Wellenlänge, dadurch schlechteres Durchdringen von Hindernissen wie Bäumen, Gebäuden oder Geländekanten
868 MHz / Sub-GHz
- Deutlich bessere Beugung um Hindernisse herum, verzeiht Abschattungen
- Bei gleicher Sendeleistung spürbar mehr Reichweite
- Nachteil: niedrigere Paketraten als 2,4 GHz
- Nachteil: größere Antennen, und in der Nähe von Mobilfunkmasten kann es zu Störungen kommen
Dual Band bedeutet: Der Sender schickt jedes Steuerpaket parallel über beide Bänder. Der Empfänger nimmt, was ankommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Bänder im selben Moment am selben Ort ausfallen, ist um ein Vielfaches geringer als bei einem einzelnen Band.
Die drei Betriebsarten von ExpressLRS
1. Klassisches Single Band
Ein Sendezweig, ein Band. Das ist der Standard, den die meisten ELRS-Anlagen seit Jahren fahren – bewährt, günstig und für viele Einsätze völlig ausreichend.
2. Gemini
Zwei Sendezweige innerhalb desselben Bandes, mit unterschiedlichen Frequenzsprungfolgen und zwei Antennen. Das bringt echte Antennendiversität und Redundanz gegen schmalbandige Störungen, bleibt aber auf die Eigenschaften des einen Bandes beschränkt.
3. Gemini Xrossband (Gem-X)
Die eigentliche Dual-Band-Betriebsart: Ein Sendezweig arbeitet auf 2,4 GHz, der zweite gleichzeitig auf 868 MHz. Beide Bänder tragen dasselbe Signal parallel. Typische Paketraten sind hier X150Hz sowie X100Hz Full mit voller 16-Kanal-Auflösung. Wichtig: Gem-X funktioniert nur, wenn Sender und Empfänger die Betriebsart beherrschen.
Wichtig: „Multi-Band“ ist nicht dasselbe wie „Dual Band“
Das ist der häufigste Irrtum beim Kauf. Grundlage der neuen Gerätegeneration ist der Semtech-Transceiver LR1121 der dritten Generation. Dieser Chip beherrscht beide Bänder – aber immer nur eines zur selben Zeit.
- Ein LR1121 im Gerät = Multi-Band. Sie können per Menü zwischen 2,4 GHz und 868 MHz umschalten, arbeiten aber immer nur auf einem Band. Vorteil: ein Gerät für beide Welten, kein Neukauf beim Bandwechsel. Das trifft auf die Empfänger XR1 und XR3 zu.
- Zwei LR1121 im Gerät = echtes Dual Band. Beide Bänder laufen gleichzeitig, Gem-X ist möglich. Das trifft auf die Fernsteuerungen GX12 und TX16S MK3 zu.
Unsere Dual-Band-Fernsteuerungen von RadioMaster
RadioMaster GX12 Dual-Band Gemini-XROSSBAND ELRS (EU-LBT)
Die GX12 war die erste Fernsteuerung überhaupt mit integriertem Gemini-Xrossband-Modul und ist bis heute die kompakteste Art, an echtes Dual Band zu kommen. Im Gehäuse arbeiten zwei LR1121-Sendezweige mit je bis zu 1 W, gekühlt über ein aktives Kühlsystem.
- Alle drei Betriebsarten: Single Band, Gemini und Xrossband – jeweils auf 2,4 GHz und Sub-GHz
- Integrierte, klappbare Dual-Band-Antennen; zusätzlich SMA-Anschlüsse für eigene Antennen
- GX01-Gimbals: vollständig CNC-gefräst, 3D-Hallsensoren, 1000 Hz mit EdgeTX-Sync, klappbare Sticks
- Wechselbare Schalterpanels für individuelle Belegung
- Monochromes OLED-Display, EdgeTX-Firmware
- Bei uns in vier Farbvarianten erhältlich
Für wen: Racer und FPV-Piloten, die maximale Verbindungssicherheit in einem transportfreundlichen Gamepad-Format wollen. Das OLED-Display ist funktional, bei praller Sonne aber schlechter ablesbar als ein Farb-Touchscreen – wer viel in Menüs arbeitet, ist mit der TX16S-Serie besser bedient.
RadioMaster TX16S MK3 ELRS Gemini Dual-Band (EU-LBT)
Die MK3-Generation bringt das Dual-Band-Gemini-Modul mit zwei LR1121-Chips in das klassische TX16S-Gehäuse und kombiniert es mit deutlich mehr Rechenleistung.
- Gleichzeitiges Senden auf 2,4 GHz und Sub-GHz für maximale Redundanz
- STM32-H7-Prozessor: spürbar schnellere EdgeTX-Bedienung, flüssige Lua-Skripte
- 5-Zoll-IPS-Touchscreen mit 800 × 480 Pixeln und automatischer Helligkeitsanpassung
- Aktive Kühlung mit Aluminium-Kühlkörper und geräuscharmem Lüfter
- Klappbare Doppelantennen, Bewegungssensor für Tilt-Steuerung
- Erhältlich in Schwarz und in der transparenten Charcoal-Variante
Für wen: Piloten mit vielen Modellen, komplexen Setups und dem Wunsch nach einem großen Display. Auch die erste Wahl für Flächen- und Langstreckenmodelle.
RadioMaster TX16S MK3 MAX ELRS Gemini Dual-Band 512 MB (EU-LBT)
Die MAX-Version ist das Flaggschiff: identische Dual-Band-HF-Technik wie die MK3, dazu hochwertigere Hall-Gimbals mit RGB-Ringen, mehr Speicher und eine gehobene Gehäuseausführung. Bei uns in Schwarz, Rot, Blau und Gold verfügbar.
Für wen: Alle, die eine Anlage für viele Jahre kaufen und bei Haptik und Präzision keine Kompromisse machen wollen.
Passende Empfänger
RadioMaster XR3 Nano Diversity ELRS Dual-Band (EU-LBT)
Der vielseitigste Empfänger für Dual-Band-Setups: ein LR1121, wahlweise auf 2,4 GHz oder 868 MHz betrieben, dazu echte Antennendiversität über zwei Antennen mit Umschaltung. Ein Skyworks RFX2401C liefert einen LNA für bessere Empfangsleistung und bis zu 100 mW Telemetrie.
- Kompakt mit 20 × 15 mm
- Dual-Band-Antennen: Bandwechsel ohne Antennentausch möglich
- WLAN und WebUI für Konfiguration und Firmware-Updates ohne Kabel
Wer sicher weiß, dauerhaft auf 2,4 GHz zu bleiben, spart mit der XR3-Variante mit 2,4-GHz-Antennen.
RadioMaster XR1 Nano ELRS Dual-Band (EU-LBT)
Der Leichtgewichts-Einstieg in die LR1121-Welt: ein Chip, ein Antennenanschluss, ein Band zur Zeit.
- MCU ESP32C3, Semtech LR1121, IPEX-1-Anschluss
- Nur rund 1 g ohne Antenne bei 20 × 13 × 3 mm
- Telemetrieleistung 100 mW, Paketraten bis DK500Hz beziehungsweise K1000Hz
- CRSF plus zusätzlicher UART, verzinnte Randkontakte für einfaches Löten
Auch hier gibt es eine reine 2,4-GHz-Version für Builds, die dauerhaft auf diesem Band bleiben.
Hinweis zum vollen Xrossband-Betrieb
XR1 und XR3 empfangen jeweils ein Band zur Zeit. Kombiniert mit einer GX12 oder TX16S MK3 läuft die Strecke damit im Single-Band- oder Gemini-Modus – schon das ist deutlich robuster als eine klassische Einzelanlage. Für den vollen Gem-X-Betrieb, bei dem beide Bänder gleichzeitig empfangen werden, braucht es zusätzlich einen Gem-X-fähigen Empfänger. Sprechen Sie uns dazu gerne an, wir beraten Sie zur Verfügbarkeit.
Bewährte 2,4-GHz-Empfänger
Nicht jedes Modell braucht Dual Band. Für Freestyle, Racing und alles im Sichtbereich sind unsere klassischen ELRS-Empfänger die günstigere und oft völlig ausreichende Wahl:
- RadioMaster RP1 V2 ELRS 2.4GHz Nano – der Bestseller für Standard-Quads
- RadioMaster RP3 V2 ELRS 2.4GHz Nano – mit stärkerer Empfangsstufe
- RadioMaster ER5C V2 PWM-Empfänger – für Flächenmodelle und alles mit Servos
- RadioMaster ER3C-i PWM-Empfänger – kompakte PWM-Lösung mit interner Antenne
Antennen und Frequenzwahl
Eine Dual-Band-Anlage entfaltet ihr Potenzial nur mit passenden Antennen. Wer einen XR1 oder XR3 in der reinen 2,4-GHz-Ausführung kauft, kann später nicht ohne Weiteres auf 868 MHz umschalten – die mitgelieferte Antenne passt dann schlicht nicht zum Band. Wenn Sie sich die Option offenhalten wollen, greifen Sie direkt zur Dual-Band-Variante.
Praxis-Tipp zur Montage: Die beiden Antennen eines Diversity-Empfängers sollten möglichst um 90 Grad zueinander versetzt und mit Abstand zu Kohlefaser, Akku und Videosender montiert werden. Zwei parallel verlegte Antennen bringen kaum Diversitätsgewinn.
Was in Deutschland und der EU zu beachten ist
Das ist der wichtigste Abschnitt vor dem Kauf – und die häufigste Fehlerquelle bei Importware.
- 868 MHz statt 915 MHz. In der EU ist der Sub-GHz-Betrieb auf 868 MHz beschränkt. Die in den USA übliche 915-MHz-Variante (FCC) darf hier nicht betrieben werden.
- Die Bänder sind nicht kreuzkompatibel. Ein 868-MHz-Sender bindet nicht an einen 915-MHz-Empfänger.
- 2,4 GHz braucht LBT. Für Europa ist das Firmware-Ziel „EU CE 2400“ beziehungsweise „2.4GHz LBT“ (Listen Before Talk) korrekt, nicht die FCC-Variante.
- Alle Geräte in diesem Ratgeber führen wir ausschließlich in der EU-LBT-Ausführung. Damit sind Sie automatisch auf der richtigen Seite – anders als bei Direktimporten, die häufig in der FCC-Version geliefert werden.
- Sendeleistung. Die 1-W-Angaben beziehen sich auf die technische Maximalleistung. In der EU gelten deutlich niedrigere Grenzwerte, die die regionsspezifische Firmware automatisch durchsetzt. Diese Begrenzung bitte nicht umgehen.
- Reine 2,4-GHz-Empfänger. Bei Modellen wie RP1 oder RP3 erscheinen die Sub-GHz-Optionen im Konfigurator gar nicht erst – wer sie dort sucht, hat meist das falsche Firmware-Target gewählt.
- Drohnenbetrieb. Unabhängig von der Funkanlage gelten die EU-Drohnenverordnung, die Registrierungspflicht beim Luftfahrt-Bundesamt und der jeweilige Kompetenznachweis.
Welche Kombination passt zu wem?
- Einsteiger, 2,4 GHz, kurze bis mittlere Distanzen: eine Pocket CRUSH ELRS oder Boxer CRUSH ELRS mit RP1 V2. Dual Band ist hier noch kein Muss.
- Freestyle und Racing mit maximaler Linkstabilität: GX12 mit XR3 Dual-Band. Kompakt, schnell, redundant.
- Langstrecke und Flächenmodelle: TX16S MK3 MAX mit XR3 Dual-Band auf 868 MHz – Sub-GHz als Rückgrat, 2,4 GHz jederzeit per Menü verfügbar.
- Ein Sender für alles: TX16S MK3 als Basis, dazu je nach Modell XR1, XR3 oder ein PWM-Empfänger der ER-Serie.
- Ultraleichte Builds: XR1 Dual-Band – rund 1 g, aber die Option auf beide Bänder.
Einen Überblick über das komplette Sortiment finden Sie in unserer Kategorie Fernsteuerung & Crossfire sowie gefiltert nach RadioMaster.
Einrichtung in fünf Schritten
- Firmware-Versionen abgleichen. Sender und Empfänger müssen dieselbe ELRS-Hauptversion fahren. Ein 3.5er-Sender bindet nicht an einen 3.3er-Empfänger.
- Korrektes Target wählen. Für Europa „EU 868“ im Sub-GHz-Bereich und „EU CE 2400 / LBT“ auf 2,4 GHz – auf beiden Seiten identisch.
- Bindungsphrase setzen. Dieselbe Binding Phrase in Sender und Empfänger eintragen, dann entfällt der Binde-Button komplett.
- Betriebsart wählen. Im ELRS-Lua-Skript der Fernsteuerung die Paketrate einstellen. Der Empfänger folgt automatisch.
- Reichweite testen. Vor dem ersten richtigen Flug einen Bodentest mit reduzierter Leistung durchführen und die Telemetriewerte für Link Quality und RSSI beobachten.
Häufige Fragen
Brauche ich für Dual Band zwingend einen neuen Empfänger?
Für den echten Xrossband-Betrieb ja. Ein Dual-Band-Sender wie GX12 oder TX16S MK3 arbeitet aber auch mit allen bestehenden ELRS-Empfängern zusammen – dann eben im Single-Band- oder Gemini-Modus. Sie können also zuerst die Fernsteuerung wechseln und die Empfänger nach und nach nachziehen.
Halbiert Gem-X meine Paketrate?
Die Xrossband-Modi liegen mit X150Hz und X100Hz Full unterhalb der reinen 2,4-GHz-Spitzenraten. Sie tauschen also einen Teil der Update-Rate gegen deutlich höhere Verbindungssicherheit. Für Racing bleiben die schnellen Single-Band-Modi die bessere Wahl, für alles andere überwiegt die Redundanz.
Was ist der Unterschied zwischen 868 und 900 MHz?
„900 MHz“ ist die Sammelbezeichnung für das Sub-GHz-Band. Real bedeutet das in den USA 915 MHz und in Europa 868 MHz. Datenblätter mischen die Begriffe leider häufig – maßgeblich ist immer die Regionsvariante des konkreten Artikels.
Kann ich meine bestehende Fernsteuerung auf Dual Band nachrüsten?
Grundsätzlich ja, über ein externes Dual-Band-Sendemodul im JR-Modulschacht. Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine Boxer, Zorro oder TX16S der älteren Generation aufrüsten möchten – wir sagen Ihnen, was in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Weitere Ratgeber aus unserem Shop
Wenn Sie gerade dabei sind, ein Modell komplett neu aufzubauen, helfen diese Beiträge beim Rest der Elektronik weiter:
- Flight Controller (FC) für FPV – der große Ratgeber
- Der große 4-in-1 ESC Ratgeber für FPV-Drohnen
- Ratgeber: FPV Motoren
- Ratgeber: FPV Akkus
Alle Beiträge finden Sie gesammelt unter Aktuelle Neuigkeiten.
Fazit
Dual Band ist kein Marketing-Etikett, sondern eine echte Verbesserung der Ausfallsicherheit: zwei physikalisch unterschiedliche Übertragungswege, die sich gegenseitig absichern. Wer heute neu kauft und Wert auf Reichweite oder Betriebssicherheit legt, fährt mit der GX12 oder der TX16S MK3 hervorragend. Auf Empfängerseite sind XR1 und XR3 in der Dual-Band-Ausführung die flexibelste Wahl, weil sie den späteren Bandwechsel ohne Neukauf ermöglichen.
Bei Fragen zur passenden Variante, zur Antennenwahl oder zum Umstieg auf Dual Band beraten wir Sie gerne persönlich – telefonisch, per Kontaktformular oder per WhatsApp.